Beschreibung der Eingeborenen Hunde der Nentsy.
Wir sahen die typischsten eingeborenen Hunde an den Ufern des Poluy Flusses und anderer Stellen weiter von den Städten entfernt.
Erscheinungsbild
An beiden Ufern des Poluy Flusses, einem Zulauf des Ob Flusses, sehen fast alle Hunde dem Samojede ähnlich. Die meisten dieser Hunde haben eine langes, dem Samojeden ähnliches Haarkleid. Jedoch sind ihre Größe und die Farbe des Haarkleides mehr variabel. Die Größe variiert sich von klein bis mittel und groß. Wegen des zottigen Fells scheinen diese Hunde kräftiger, als sie tatsächlich sind. Sie alle sind mager und leicht gebaut. Die Gewicht variiert ungefähr von 15 bis 30 Kg.
Haarkleid
Das Haarkleid besteht aus langen glatten und harten Deck-Haaren und sehr dicker wolliger Unterwolle, die sogar im Sommer auf dem Hund bleibt. Tatsächlich dient sie den Hunden gut in Winter und Sommer. Das Deck-Haar ist rauh und glatt und der fallende Schnee klebt nicht daran fest. Das Haarkleid hält im Winter warm und schützt im Sommer vor Moskitos. Eingeborene kämmen ihre Hunde niemals. Im Juni haaren die Hunde stark ab. Altes und neues Haar formt oft Matten, die am Körper des Hundes baumeln. Einige der Matten sind dauerhaft und können nur mit der Schere entfernt werden.
Gegen Ende Juni sieht die Jamal Tundra sehr schön aus. Mit gelben Arktischen Mohnblumen und verstreuten Flecken noch schmelzenden Schnees. Jedoch ist der heitere Anblick irreführend. Dies ist die Zeit in der Moskitos und schwarze Fliegen schwärmen. Nachts kann die Temperatur in die Nähe des Gefrierpunktes fallen, so ist ein wärmendes Haarkleid für Hunde anscheinend erforderlich.
Es gibt viele Hunde mit bisquit- und weißer Farbe, aber weiße Hunde mit schwarzen Flecken und völlig schwarze Hunden sind sehr häufig. Weiße und bisquitfarbene Hunde haben braune Nasen.
Kopf
Der Kopf ist keilförmig und von oben gesehen dreieckig. Bei großen Hunden ist der frontale Teil des Schädels flach oder leicht gerundet, der Fang ist lang und stark. Bei grossen Tieren ist der Fang genauso lang wie das Schädeldach. Bei kleineren Hunden ist der Fang kürzer als der Schädel und neigt dazu, etwas kantig zu erscheinen. Der Schädel von kleineren Hunden ist leicht gewölbt.
Gebiß
Die
Zähne
sind groß und stark, gleichmäßig. Das Gebiß
ist ein Scherengebiss.
Augen
Die Augen sind braun, mandelförmig und schräg eingesetzt.
Ohren
Die
Ohren
sind von der mittleren Größe und stehen immer aufrecht,
wenn nicht bereits durch Hundekämpfe verletzt. Bei kleinen
Hunden sind die Ohren proportional größer und stehen
weiter auseinander.
Hals
Der Hals ist stark und von mittlerer Länge, erscheint aber kurz wegen des langen und dicken Fells..
Rute
Die Rute wird hoch gebogen über dem Rücken getragen und liegt entweder zur einer Seite, oder über dem Rücken. Es gibt Hunde mit über dem Rücken geringelter und mit sichelförmiger Rute.
Körperbau
Der
Körper
ist mager, aber muskulös. Die Brust ist tief und relativ schmal.
Das Abdomen ist in der Mitte hochgezogen. Größere Hunde
haben proportional längere Beine als kleinere Hunde. Bei
größeren Hunden sind die Hinterläufe gut gewinkelt
und gesetzt und von hinten gesehen, ein weinig kuhhessig. Die
Fussform ist weder Katzen- noch Hasenfuß. Die Füsse haben
lange, wohlgeformte Zehen mit dicken Polstern und Krallen.
Tatsächlich hat die Mehrzahl der örtlichen Hunde die wir
sahen nach aussen gedrehte Vorderfüsse und kuhhessig
gesetzte Hinterbeine.
Die Fortpflanzung
Weibchen werden unabhängig von der Jahreszeit zweimal im Jahr läufig. Die Zahl der Welpen pro Wurf variiert zwischen 3 und 7 Jungen. Die Hündinnen sind ausgezeichnete Mütter. Findet der Wurf im Frühling oder Sommer statt, machen sie sich ein Wurflager zurecht und bekommen und pflegen ihre Welpen ohne jeden Eingriff des Menschen. Würfe in der Winterzeit werden mit der Mutter in das Haus genommen.
Gut ernährte reinrassige, eingeborene Hunde haben vor Erreichen der 8 Lebenswoche aufrecht stehede Ohren.
Bellen
Die eingeborene Hunde der Nenets bellen sehr gut und häufig. Die Hunde bellen bei Aufregung, bei der Hütearbeit oder schlagen bei der Jagd auf kleines Wild an. Sie bellen immer, wenn sich eine fremde Person oder ein fremder Hund ihrem Hausterritorium nähert.
Die
Lebensweise der Nentsy
Nahe Salekhard und Labytnangy findet man überall Hunde. Die Mehrheit dieser Hunde zieht im Winter Schlitten, aber im Sommer wird ihnen erlaubt frei umher zu streifen. Sie werden nicht regelmäßig gefüttert und sind immer auf der Suche nach Nahrung.Sie jagen alle Tiere, die kleiner sind als sie selbst, fangen aber auch z.B. Rentiere. Ihre charakteristische Beute umfasst Lemminge, Wühlmäuse und andere Nagetiere. Polarfüchse und Arktische Hasen, die ihre Nähe riskieren, werden immer gejagt und machen manchmal eine Mahlzeit der Hunde aus.
Nenets und Hanty behandeln ihre Hunde gut. Die übliche Zahl von Hunden pro Haushalt liegt bei einem bis fünf Hunden. Nenets und Hanty erlauben ihren Hunden den Aufenthalt innerhalb ihres Zeltes (ein tipi-artiges konisches Zelt aus Holzpfosten und Rentier-Häuten). Während der Mahlzeiten formen die Hunde einen zweiten Kreis hinter den Rücken der Menschen. Gelegentlich werden Knochen oder Fisch-Stücke für die Hunde geworfen. Raufereien über das Fressen sind sogar innerhalb des Zeltes häufig, aber die Leute lachen allgemein darüber und gehen nicht dazwischen. Nachts wird den Hunden erlaubt im Inneren bei den Leuten zu bleiben, man hält einander warm.
Nenets schätzen ihre erwachsenen Hunde hoch, ein Welpe kann aber verschenkt oder für eine Flasche Wodka getauscht werden.
Fütterung
der Hunde
Nenets und andere Eingeborene der Region verwenden ihre eigene Methode Weißfisch haltbar zu machen (Coregonus sp.) Frischer ganzer Fisch, nicht entgrätet oder gehäutet, wird in einer Grube im Permafrost-Boden zwischen Schichten von Schilfgras eingegraben. Evtl. gesalzener Fisch wird abwechselnd mit einer Schicht Schilfgras geschichtet, bis die Grube gefüllt ist. Einmal befüllt, wird Alles mit Schilfgras, Erde und Eis bedeckt. Nenets und andere Eingeborene verwenden sehr wenig Salz auf dem Fisch oder benutzen es überhaupt nicht. Nach einer ausgedehnten Lagerung vermindert sich der Fischgeruch nicht, es stinkt noch ziemlich stark und das Fleisch trennt sich leicht von den Gräten Dies wird begierig, sowohl von Menschen als auch von Hunden gegessen. Die auf diese Weise haltbar gemachte Fischmahlzeit hat einenungewöhnlichen Geschmack. Aber Einheimische und Hunde sind der beste Beweis, dass das Essen nahrhaft und offensichtlich sicher ist. Immerhin ist diese Tradition Hunderte von Jahren alt. Im Winter und im Sommer füttern Nenets und Hanty ihre Hunde mit allen Tafel-Abfällen. Werden Hunde für die Arbeitverwende,t bekommen sie Renntier-Fleisch, Robben- oder Wal-Fleisch mit dem Tran und viel Fisch jeglicher Art.
Heute sind die Nenets frei, ihr Leben mit ihren Hunden und Rentieren fortzusetzen. Ich hoffe nur, dass der pure eingeborene Hunde-Typ noch im Land der Nentsy und der Russen existiert. Die Russen arbeiten bereits an der Etablierung der Rasse Nenets-Hütehund (Nenetskaya Olenegonnaya Laika)
Beziehung
zum Menschen.
Der
Ur-
Samojede ist menschenfreundlich und wackelt mit dem Schwanz um
Besucher grüßen. Jedoch bleiben sie dem Fremden nach dem
ersten Gruß fern. Obwohl sie menschenfreundliche Hunde sind,
bellen sie immer wenn sich fremde Leute ihrem Dorf nähern.
Beziehung
zu anderenTieren
Hunde von Nentsen, die in demselben Haushalt zusammenleben, stellen hierarchische Beziehungen miteinander her. Jedoch sind Konkurrenzkämpfe und kleine Kämpfe um die Vorherrschaft üblich und kommen vor. Mit fremden Hunden wird enthusiastisch gekämpft und ein solcher Eindringling kann getötet werden, weil alle Hunde den ihn gleichzeitig angreifen.
Ur- Samojeden können leicht erzogen und ausgeildet werden, friedlich mit den Nutz-Tieren mit denen sie umgehen müssen zu leben. Sie leben zusammen mit domestizierten Rentieren. Als neue Kolonisten im Arktischen Ural und der Jamal Tundra jedoch Ziegen, Kühe und Katzen mitbrachten, wurden diese Tiere durch Hunde schließlich getötet falls sie unbeaufsichtigt belassen worden waren.Im Arktischen Uralund der Jamal Halbinsel und weiter nach Osten werden langhaarige, dem Samojede ähnliche Hunde verwendet um Rentiere zu hüten. Mit ihrer Arbeit helfen diese Hunde Herden zusammen zu behalten und zu anderen Weideplätzen zu führen. Im Winter helfen Hunde verlorene Rentiere zu finden. Wenn die Hunde streunende Rentiere weit weg vom Lager finden bleiben sie bei ihnen für eine lange Zeit, manchmal sogar einige Tage ohne Nahrung und schützen dann die Rentiere. Die Hunde bellen viel, das hilft ihrem Besitzer sie zu finden. Ausdauer, Mut und Entschlossenheit dieser Hunde sind erstaunlich.
Eine
andere
gewöhnliche Art der Verwendung von eingeborenen Hunden bei den
Nenets ist das Jagen. Die Hunde Jagen wie Vorstehhunde. Sie zeigen
die Beute an, Eichhörnchen und anderes kleines Wild. Trotz des
langen Haarkleides werden einige dieser Hunde als Apportierhund
ausgebildet und arbeiten gut bei der Entenjagd. Sie zögern
nicht, zu schwimmen oder bei Minustemperaturen ins Wasser zu gehen.
Ich selbst kaufte einen zweijährigen Rüden, der ein prima
Jagdhund wurde.
Im Arktischen Ural Gebiet und der Jamal Tundra,
dem Rentier-Weideland, ist das Ren das hauptsächlich als Zugtier
eingesetzte Tier. Weiter im Norden in der arktischen Tundra, wo
Rentiere wegen der Abwesenheit von Flechten nicht überleben
können, werden gewöhnlich Hunde eingesetzt, um Schlitten zu
ziehen.
Im Winter werden Ur- Samojeden häufig in bitterer Kälte als Schutz bei der Herde belassen oder angebunden. Diese Hunde müssen häufig unter den harten Bedingungen eines Schneesturms arbeiten oder sich einschneien lassen. Im Sommer ist ihr Leben kaum leichter als im Winter.
Im Juni-Juli ist in der Jamal Tundra Mücken-Saison. Versucht man die Mücken abzuwehren, fliehen sie noch nichteinmal. Eine Hand einmal gegen den Rücken einer anderen Person gedrückt zählten wir alle getöteten Mücken mit 70-80 Stück pro Qadratzoll!
Jeder Hund hier gräbt ein individuelles Loch am Flussufer, um den grössten Teil seines Körpers darin zu verbergen. Eine Brise vom Fluss bläst die Mücken von den Hundeköpfen weg. Das stellt nur eine teilweise Erleichterung dar. Das Maul jedes Hunds ist mit Narben und blutenden, wunden Stellen bedeckt, auch weil die Hunde oft selbst kratzen.
Einheimische töten gewöhnlich niemals Hunde als Nahrung außer in selten vorkommenden verzweifelten Situationen im Winter.
Gesundheit
Die Hunde der Nentsy und anderen Völkern des arktischen Ural Gebiets und der Jamal Halbinsel sind sehr zäh. Wir beobachteten während unseres Besuchs keine erblichen Gesundheitsprobleme unter den einheimischen Hunden.
Erhaltung
Im arktischen Ural und der Jamal Halbinsel und ebenso weiter nach Osten in Taimyr werden langhaarige, eingeborene Hunde zum Rentierhüten, als Jagdhund und zum Schlittenziehen noch allgemein eingesetzt. Während der letzten Jahre werden häufiger kleinere Hunde gebraucht, weil sie weniger Nahrung benötigen. Die Verwendung von Motorschlitten für die Arbeit mit Rentieren lässt den Bedarf nach schnellen, starken Hunden sinken. Jedoch sind Hunde unentbehrlich, weil der Besitzer sicher sein kann dass sie zurückkommen würden und nicht in einem Schneesturm verloren gehen. Sie können auch bei der Arbeit mitdenken und helfen verlorene Rentiere zu finden, selbst dort,wo ein Motorschlitten nicht eingesetzt werden kann.